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Sicherheit

Einbruchschutz mit Glastrennwänden im Innenbereich

Einbruchschutz mit Glastrennwänden im Innenbereich: VSG, Widerstandsklassen RC2/RC3, DIN EN 1627, Aufbau, Schallschutz, ASR A1.6 und Kosten im Überblick.

XFRAME Glasprofile — Einbruchschutz mit Glastrennwänden im Innenbereich Sicherheit

Moderne Büros leben von Transparenz. Große Glasflächen, offene Raumkonzepte und maximale Lichtzufuhr sind zum Standard geworden. Gleichzeitig sollen bestimmte Bereiche geschützt sein: Lagerflächen mit Wertsachen, sensible Geschäftsbereiche, Verwaltungsräume mit vertraulichen Unterlagen. Dieser scheinbare Widerspruch lässt sich auflösen. Mit verstärkten Glastrennwänden, die nach DIN EN 1627 zertifiziert sind, entsteht eine elegante Kombination aus visueller Offenheit und zuverlässigem Einbruchschutz. Sie ermöglichen es, den modernen Arbeitsstil zu bewahren, ohne auf Sicherheit zu verzichten.

Der Innenbereich unterscheidet sich dabei grundlegend von Fassadenlösungen. Während Außenglas dauerhaft Witterungseinflüssen trotzen muss, können sich Innenbereich-Systeme vollständig auf die Aufgaben konzentrieren, die tatsächlich relevant sind: Sicherheit, Schallschutz und Transparenz. Das macht sie nicht nur effektiver, sondern auch wirtschaftlicher. Dieser Fachbeitrag erklärt, wie einbruchhemmende Glastrennwände funktionieren, welche Widerstandsklassen es gibt, wie ein sicheres System aufgebaut ist und worauf Architekten, Planer und Investoren bei Auswahl und Umsetzung achten sollten.

Warum wird Sicherheit im Innenbereich unterschätzt?

Es ist ein verbreiteter Irrtum, dass echte Sicherheitsrisiken nur von außen kommen. In der Realität entsteht ein erheblicher Teil aller Unternehmensschäden nicht durch gezielte Außeneinbrüche, sondern durch interne Lücken: ein Mitarbeiter, der einen Lagerbereich betritt, ohne dass jemand kontrolliert, wer dort Zugang hat; eine offen stehende Glastrennwand zu einem Büro mit teurer Elektronik; ein Wertsachen-Lager, das zwar gesichert ist, aber nur durch eine dünne, leicht zerbrechliche Glastrennwand von der öffentlichen Zone getrennt wird.

Das klassische Szenario in modernen Großraumbüros zeigt das Problem deutlich: Tagsüber wirkt die Transparenz der Glastrennwände beruhigend und teamfördernd. Nachts jedoch, wenn nur wenige Mitarbeiter im Gebäude sind, wird genau diese Transparenz zur Sicherheitslücke. Ein Unbefugter kann eine ungesicherte Trennwand problemlos durchbrechen und gelangt in den nächsten, ungeschützten Bereich.

Herkömmliche Glastrennwände aus Einscheibensicherheitsglas (ESG), das in vielen Büros Standard ist, bieten dagegen keinen Einbruchschutz. Zwar zerfallen diese Scheiben bei Bruch in kleine, stumpfe Krümel, was Verletzungen verhindert. Aber die Öffnung bleibt frei, die Barriere ist durchbrochen. Hier setzt die Lösung an: VSG-Trennwandsysteme mit RC2- oder RC3-Zertifizierung schaffen einen zuverlässigen Schutz, ohne die optische Leichtigkeit einer modernen Glastrennwand zu opfern.

Wie funktioniert Verbundsicherheitsglas?

Der entscheidende Unterschied zwischen normalem und einbruchhemmendem Innenbereich-Glas liegt nicht in der Dicke oder Materialgüte des Glases selbst, sondern in der zusätzlichen Schicht dazwischen. Während ESG thermisch vorgespannt und dadurch sehr schlagfest ist, schafft es keine bleibende Barriere gegen einen entschlossenen Angriff. Das Glas bricht, die Krümel fallen, die Öffnung ist frei.

Verbundsicherheitsglas, kurz VSG, funktioniert nach einem völlig anderen Prinzip. Mindestens zwei Glasscheiben werden durch hochelastische Kunststofffolien fest miteinander verbunden. Diese Folien, meist aus Polyvinylbutyral (PVB) gefertigt, sind das Herzstück der Sicherheit. Sie sind nicht starr wie das Glas, sondern flexibel und zäh. Wenn die äußere Glasscheibe unter einem Schlag bricht, halten die Folien die Bruchstücke zusammen. Der Täter sieht das typische Spinnennetz-Bruchbild, aber die Scheibe bleibt als Ganzes an ihrer Position. Jeder weitere Schlag erfordert erhebliche zusätzliche Kraft, denn nun muss nicht nur das verbleibende Glas durchschlagen, sondern auch die zähen Folienlagen durchtrennt werden.

Die Dicke der PVB-Folie ist entscheidend für die Sicherheitseinstufung. Eine 0,76 Millimeter dicke Folie erlaubt einem Täter, mit einfachen Werkzeugen relativ schnell durchzukommen. Eine 1,52 Millimeter dicke Folie vervielfacht die nötige Anstrengung. Bei 2,28 Millimeter Foliendicke müssen Täter bereits mit deutlich professionellerem Werkzeug arbeiten und benötigen wesentlich mehr Zeit.

In der Praxis bedeutet das: Eine RC2-zertifizierte Glastrennwand, die typischerweise VSG mit 0,76 bis 1,52 Millimeter PVB-Folie ist, gibt einem Gelegenheitstäter mit einfachem Werkzeug etwa drei Minuten Zeit, bis er durchkommt. Drei Minuten sind lang genug, um einen Alarm auszulösen, die Polizei zu rufen oder Sicherheitspersonal zu alarmieren. Für RC3-Systeme mit dickerer Folie von 1,52 bis 2,28 Millimeter sind es etwa fünf Minuten – ein erheblicher Unterschied für Abschreckung und Sicherheit.

Was bedeuten die Widerstandsklassen RC2 und RC3?

Die DIN EN 1627 ist die deutsche und europäische Norm für einbruchhemmende Bauteile. Sie definiert die Widerstandsklassen RC1 bis RC6 (Resistance Class) und legt fest, wie lange Fenster, Türen und Trennwände verschiedenen Angriffsszenarien standhalten müssen. Die zugehörigen Prüfverfahren regeln die Normen DIN EN 1628 (statische Belastung), DIN EN 1629 (dynamische Belastung) und DIN EN 1630 (manueller Einbruchversuch). Für den Innenbereich sind zwei Klassen besonders relevant: RC2 und RC3.

RC2 ist der Standard, den die Polizei als Minimum für gewerbliche Räume empfiehlt. Das zugrunde gelegte Szenario ist ein Gelegenheitstäter ohne besondere Fachkenntnisse, ausgestattet mit Schraubendreher, Zange und gegebenenfalls einem Keil. Diese Person hat etwa drei Minuten Zeit, um in ein Bauteil einzudringen. Kommt jemand vorbei oder wird ein Alarm ausgelöst, wird die Sache zu riskant. RC2 erfordert typischerweise VSG mit einer PVB-Folie von etwa 0,76 bis 1,52 Millimeter Dicke. Das entspricht den Durchbruchhemmungsklassen P4A oder teilweise P5A nach DIN EN 356, also dem Standard für die Glaskomponente selbst.

RC3 ist eine Stufe höher. Hier geht die Norm davon aus, dass der Täter geübter ist und besseres Werkzeug einsetzt – Hebel, mehrere Schraubendreher, möglicherweise einen leichten Bohrer. Diese Person schafft es, etwa fünf Minuten lang konzentriert gegen ein Bauteil zu arbeiten. RC3 setzt Glassysteme mit dickeren Folien von 1,52 bis 2,28 Millimeter PVB voraus. Fünf Minuten mögen wenig klingen, machen für die Sicherheit aber einen großen Unterschied: Ein entschlossener Einbrecher gibt bei einer RC3-Trennwand wahrscheinlich deutlich früher auf, da der Angriff zu laut, zu zeitaufwändig und zu riskant wird.

Für die meisten Innenbereich-Anwendungen ist RC2 die richtige Wahl. Wer einen Lagerbereich mit hochwertiger Elektronik schützen will, ein Büro mit sensiblen Unterlagen oder eine Apotheke mit teuren Medikamenten, liegt mit RC2 in der Regel richtig. Es ist ausreichend, wirtschaftlich sinnvoll und bietet den nötigen Schutz. RC3 ist dann angemessen, wenn das Objekt besonders exponiert ist – etwa ein Juweliergeschäft in einer frequentierten Innenstadtlage oder ein Lagerbereich mit sehr hohem Warenwert. Manche Versicherungen fordern RC3 auch, wenn der Standort in einer Region mit erhöhter Einbruchskriminalität liegt oder das Unternehmen bereits mehrfach betroffen war.

Ein häufiger Irrtum ist, dass die Glasklasse nach DIN EN 356 (P4A, P5A, P6B) als Sicherheitsaussage ausreicht. Das ist nicht korrekt. P4A bedeutet, dass das Glas allein einem Hammerangriff einige Sekunden standhält. Echte Sicherheit entsteht jedoch erst, wenn Glas, Rahmen, Befestigung und Verriegelung gemeinsam als geprüftes System zertifiziert sind. Deshalb ist die RC-Klassifizierung die verlässliche Größe, nicht die Glasklasse allein.

Wie ist eine sichere Innenbereich-Glastrennwand aufgebaut?

Eine RC2- oder RC3-zertifizierte Glastrennwand ist kein einfaches Einzelelement. Sie ist ein durchdachtes System aus mehreren Komponenten, die ineinandergreifen und zusammenwirken müssen, um die zugesicherte Sicherheit zu liefern.

Das Glaselement

Das Herzstück ist das Glaselement selbst. Für RC2 besteht ein typisches Paket aus 6 Millimeter Floatglas, einer PVB-Folie von 0,76 oder 1,52 Millimeter Dicke und wieder 6 Millimeter Floatglas. Diese Schichtung ist nicht zufällig: Das angegriffene Glas bricht leichter und absorbiert den Hauptangriff, die Folie darunter hält die Bruchstücke zusammen und verhindert das Durchbrechen, das zweite Glas bietet zusätzliche Stabilität. Für RC3-Systeme ist das Paket dicker, oft 8 Millimeter vorgespanntes ESG, 1,52 bis 2,28 Millimeter PVB und wieder 8 Millimeter ESG.

Rahmen und Profile

Der Aluminiumrahmen oder die Klemmprofile bilden die zweite kritische Komponente. Der Rahmen muss mechanisch robust sein und darf unter Druck nicht nachgeben. Billige Systeme sparen hier und verwenden zu dünne Profile – ein schwerwiegender Fehler. Ein stabiler Rahmen besteht aus verstärkten Profilen und wird an mehreren Punkten in der Bausubstanz verankert. Je größer die Glasfläche, desto wichtiger ist ein stabiler Rahmen. Bei großflächigen Trennwänden ab etwa 2 Meter Höhe ist die Rahmenqualität für die Gesamtsicherheit oft genauso wichtig wie das Glas selbst. Wie eng Glas, Profil und Statik zusammenhängen, erläutert auch der Beitrag zu Tragfähigkeit und Sicherheit von Glastrennwänden.

Befestigung und Verankerung

Die Befestigung der Trennwand in Boden, Wand und Decke ist die dritte Komponente. Eine Glastrennwand kann das beste VSG und den besten Rahmen besitzen – stimmt die Verankerung nicht, lässt sich der gesamte Rahmen aushebeln. Für die Bodenverankerung werden typischerweise U-Profile oder Dübelsysteme mit mehreren Ankerpunkten in Estrich oder Beton verwendet. Wandverankerungen müssen in tragfähige Strukturen gehen, also in Beton oder Stahlträger, nicht in Trockenbauwände. Deckenabhängungen erfordern sichere Aufhängungssysteme, die das erhebliche Gewicht des VSG dauerhaft tragen.

Türen und Verriegelung

Ist eine Tür integriert – in der Regel eine Drehtür – muss auch sie sicher sein. Der Griff muss abschließbar, der Schließzylinder bohr- und ziehgeschützt sein. Bei RC3-Systemen wird häufig eine Mehrpunktverriegelung eingebaut, bei der mehrere Punkte am Türrahmen gleichzeitig verriegeln. Das erschwert das Aufbrechen der Tür erheblich. Die Tür sollte stets dieselbe Widerstandsklasse erreichen wie die angrenzende Glasfläche, da sie sonst zur Schwachstelle des gesamten Systems wird.

Fugendichtung

Oft übersehen wird die Fugendichtung. Auch kleine Spalten zwischen Glas, Rahmen und Bauwerk können Angriffspunkte sein. Eine vollständige Abdichtung mit elastischen Dichtungsprofilen aus Gummi oder Silikon ist daher essenziell. Diese Dichtung erfüllt zugleich eine zweite Funktion: Sie verbessert den Schallschutz erheblich, wenn Akustik ein Thema ist.

Schallschutz als Zusatznutzen

Ein großer Vorteil moderner Innenbereich-Glastrennwandsysteme ist, dass sie nicht nur Einbruchschutz, sondern zugleich Schallschutz bieten. Ein dickeres VSG-Paket, wie es für RC3 notwendig ist, reduziert automatisch auch die Schallübertragung zwischen den Räumen. Das ist kein Marketingversprechen, sondern Physik: Dickere und schwerere Materialien absorbieren und blocken Schallwellen besser.

Der Schallschutzwert wird in Dezibel (dB) angegeben, fachlich als bewertetes Schalldämm-Maß Rw. Eine Standard-Glastrennwand mit 10 bis 12 Millimeter ESG bietet etwa 33 bis 38 dB. Damit wird alltäglicher Bürolärm spürbar reduziert, intensive Gespräche bleiben jedoch verständlich. Steigt man auf 16 Millimeter VSG auf, erreicht man rund 42 bis 44 dB – deutlich besser, normale Gesprächslautstärke wird dumpf und schwer verständlich. Für hochsensible Bereiche wie Besprechungsräume mit vertraulichen Gesprächen oder Kundenzonen mit sensiblen Daten werden mitunter Doppelverglasungssysteme mit zwei separaten VSG-Paketen und einem Luftspalt dazwischen eingebaut. Diese erreichen etwa 48 bis 51 dB und gelten als sehr guter Schallschutz.

Praktisch heißt das: Wer aus Sicherheitsgründen ohnehin zu RC3 mit dickerem VSG greift, erhält den besseren Schallschutz quasi kostenfrei mit. Moderne Empfehlungen für Büros mit konzentrierter Arbeit liegen bei mindestens 45 dB. Mit den richtigen VSG-Systemen ist dieser Wert problemlos erreichbar.

Planung und Umsetzung: Worauf Architekten und Investoren achten sollten

Die Planung einer einbruchhemmenden Glastrennwand beginnt nicht beim Glashersteller, sondern lange davor. Es ist entscheidend, frühzeitig zu klären, welche Bereiche geschützt werden müssen und welche RC-Klasse sinnvoll ist.

Die erste Phase ist die Bedarfsanalyse. Welche Räume oder Bereiche sind besonders exponiert? Ein Lagerbereich mit Elektronik im Erdgeschoss ist anders zu bewerten als ein Büro im dritten Stock. Welche Werte werden tatsächlich gelagert – ein Papierarchiv stellt ein anderes Risiko dar als ein Elektroniklager. Gibt es Versicherungsanforderungen mit konkreten RC-Vorgaben? Liegt der Standort in einer Region mit erhöhter Einbruchskriminalität, oder gab es bereits Einbruchsversuche? Aus diesen Überlegungen ergibt sich die Entscheidung zwischen RC2 und RC3. In vielen Fällen reicht RC2 völlig aus: günstiger, leichter zu installieren und dennoch robust. RC3 ist die bessere Wahl, wenn die Risiken oder die Warenwerte deutlich höher liegen.

Die zweite Phase ist die Bestandsaufnahme. Ist der Boden tragfähig genug? Bestehen Boden, Wände und Decke aus Materialien, die Verankerungen sicher aufnehmen? VSG ist deutlich schwerer als normales Glas – ein 2 Meter hohes Paket kann leicht 500 bis 700 Kilogramm wiegen. Alte Böden oder schwache Decken können damit überfordert sein. Manche älteren Gebäude müssen für größere Flächen verstärkt werden, bevor die Trennwand montiert werden kann. Hier ist die Expertise eines Statikers wichtig, insbesondere bei großflächigen Systemen und in Verbindung mit den Bemessungsregeln der DIN 18008 für Glas im Bauwesen.

Die dritte Phase ist die Systemwahl. Grundsätzlich stehen zwei Ansätze zur Verfügung: Flächenglassysteme und Rahmensysteme. Flächenglassysteme arbeiten mit großen, zusammenhängenden Glaspaketen und nutzen nur dünne, fast unsichtbare Verbindungen oder minimalistische Metallprofile. Das erzeugt einen sehr modernen, eleganten Eindruck mit maximaler Transparenz. Rahmensysteme arbeiten dagegen mit sichtbaren Aluminiumprofilen, die die Glaselemente strukturieren. Sie wirken weniger minimalistisch, bieten aber oft bessere Montageflexibilität und lassen sich leichter reparieren oder später umbauen.

Die vierte Phase ist die Zubehörplanung. Benötigt die Trennwand eine Türöffnung? Die Drehtür ist die klassische, robuste und am besten abdichtbare Lösung — mit klar definierter Schließkante und umlaufenden Dichtungen erreicht sie den höchsten Schallschutz. Außerdem stellt sich die Frage nach Sichtschutz: Soll die Trennwand vollständig transparent sein, oder ist eine satinierte oder geätzte Oberfläche besser? Eine matte Oberfläche bietet Blickschutz, ohne die Lichtdurchlässigkeit völlig aufzugeben. Manche Systeme ermöglichen zudem eine in die Profile integrierte LED-Beleuchtung.

Die fünfte Phase ist die Montage. Sie sollte ein Fachbetrieb übernehmen, der auf VSG und RC-Systeme spezialisiert ist. Ein Glaser, der überwiegend Fenster einbaut, verfügt möglicherweise nicht über die nötige Erfahrung. Der Fachbetrieb sollte Prüfzeugnisse mit RC-Klassifizierung vorlegen können. Die Montage muss dokumentiert werden, und am Ende sollte eine Montagebescheinigung vorliegen, die die fachgerechte Installation bestätigt. Bei Fragen zur passenden Systemauswahl hilft ein frühzeitiger Kontakt zu einem erfahrenen Hersteller.

Arbeitsschutz und rechtliche Anforderungen im Innenbereich

Im Innenbereich kommt eine weitere Regelschicht hinzu, die nicht unterschätzt werden sollte: die Arbeitsstättenrichtlinie, speziell die ASR A1.6, die sich mit Fenstern, Oberlichtern und lichtdurchlässigen Wänden befasst.

Die ASR A1.6 konkretisiert, wie Arbeitsräume gestaltet sein müssen. Für Glastrennwände bedeutet das mehrere Dinge. Erstens: Große, transparente Glasflächen müssen in Augenhöhe deutlich kenntlich gemacht werden. Es müssen also Markierungen oder Aufkleber angebracht sein, die Mitarbeiter davor warnen, unbemerkt gegen die Glaswand zu laufen. Das klingt trivial, ist arbeitsrechtlich jedoch zwingend.

Zweitens bestehen Anforderungen an die Bruchsicherheit. Überall dort, wo Absturzgefahr besteht – etwa neben Treppen, neben Absätzen oder in der Nähe von Hochregalen in Lagerbereichen – muss bruchsicheres Glas verwendet werden. Das muss nicht zwingend einbruchhemmendes VSG sein. In einem Lagerbereich, in dem ohnehin VSG mit Einbruchschutz nötig ist, wird diese Anforderung jedoch automatisch erfüllt.

Drittens müssen lichtdurchlässige Wände in Bereichen mit Materialverkehr oder hohem Personenaufkommen entweder aus bruchsicherem Glas bestehen oder durch Geländer geschützt sein. Das ist eine Maßnahme gegen Verletzungen durch Glasbruch.

Für die Praxis heißt das: Wer im Innenbereich eine Glastrennwand plant, sollte nicht nur an Einbruchschutz denken, sondern auch diese arbeitsrechtlichen Anforderungen im Blick behalten. Oft werden sie durch das VSG-System ohnehin erfüllt – wichtig ist, dies zu prüfen und zu dokumentieren.

Was kostet ein Innenbereich-Glastrennwandsystem?

Innenbereich-Systeme sind in der Regel günstiger als Außenlösungen. Es ist kein Witterungsschutz nötig, die Installation ist einfacher, und die Anforderungen an Rahmen und Dichtungen sind weniger streng. Dennoch ist es ein nicht unerheblicher Kostenfaktor.

Das Material ist der größte Kostenblock. Normales ESG-Glas kostet etwa 100 bis 150 Euro pro Quadratmeter. VSG mit P4A-Klassifizierung, geeignet für RC2 und etwa 10 Millimeter stark, liegt bei rund 250 bis 350 Euro pro Quadratmeter. VSG mit P5A für RC3, etwa 12 Millimeter stark, kostet 350 bis 500 Euro pro Quadratmeter. Diese Preise variieren je nach Region, Hersteller und Bestellmenge.

Hinzu kommen Aluminiumrahmen und Profile mit etwa 80 bis 150 Euro pro Quadratmeter. Installation und Montage schlagen mit rund 150 bis 300 Euro pro Quadratmeter zu Buche. Eine integrierte Drehtür kostet zusätzlich etwa 600 bis 1.200 Euro, je nach Qualität und Verriegelungsmechanismus. Wer Schallschutzzusätze wünscht – dickere VSG-Pakete oder spezielle Akustikfolien – muss mit 50 bis 100 Euro pro Quadratmeter rechnen. Satinierungen oder andere Sichtschutzoptionen kosten 30 bis 80 Euro pro Quadratmeter.

Ein konkretes Beispiel: Eine 15 Quadratmeter große Glastrennwand mit RC2-Sicherheit und integrierter Drehtür liegt in der Regel zwischen 10.000 und 13.000 Euro brutto. Das Material in VSG P4A schlägt mit etwa 4.500 Euro zu Buche, Rahmen und Profile mit rund 1.800 Euro, die Montage mit etwa 3.000 Euro und die Tür mit etwa 800 Euro. Für eine höherwertige RC3-Lösung mit besserem Schallschutz und stabileren Komponenten ist mit etwa 13.000 bis 16.000 Euro zu rechnen.

Bezogen auf die Fläche und im Vergleich zu anderen Sicherheitslösungen ist das wirtschaftlich sehr sinnvoll. Eine massiv gemauerte Wand würde zwar weniger Material kosten, aber deutlich mehr Arbeit bedeuten, den Raum verdunkeln und sich später nicht flexibel verändern lassen. Eine einbruchhemmende Glastrennwand ist langfristig oft die bessere Investition.

Praktische Anwendungsfälle im Innenbereich

Die Vielfalt der Anwendungen zeigt, wie flexibel und relevant diese Systeme sind.

Ein Elektronikdistributor lagert teure Komponenten, von denen viele mehrere tausend Euro kosten. Nachts ist nur ein Sicherheitsdienst im Gebäude. Mit einer RC3-Glastrennwand zwischen öffentlichem Lagerbereich und Hochwertlager schafft das Unternehmen eine klare Barriere. Der Sicherheitsdienst kann den geschützten Bereich einsehen, ein Eindringling müsste jedoch mindestens fünf Minuten lang intensiv angreifen – mit großem Lärm und hohem Entdeckungsrisiko.

Eine Apotheke hat ein ähnliches Problem. Die Apothekerin benötigt Transparenz zu ihren Kundinnen und Kunden, denn Gesundheit und Vertrauen verlangen danach. Gleichzeitig muss das Medikamentenlager, besonders hochpreisige oder betäubungsmittelrelevante Substanzen, gesichert sein. Eine RC3-Glastrennwand mit satinierter Folie, die Blickschutz bietet, ohne völlig undurchsichtig zu sein, ist hier die passende Lösung. Zusammen mit elektronischer Verriegelung und Zugangsschloss wird der Bereich sicher, während die Apotheke tagsüber ihren offenen, transparenten Charakter behält.

Das Büro eines IT-Unternehmens zeigt ein anderes Szenario: Mehrere Projektteams arbeiten an vertraulichen Aufträgen. Die Teams sollen flexibel voneinander getrennt sein, ohne dass die Räume nach Bunker aussehen. Modulare Rahmensysteme mit RC2-VSG und rund 45 Dezibel Schallschutz ermöglichen schnelle Umbauten ohne aufwendige Bauarbeiten. Endet ein Projekt, lassen sich die Module relativ einfach umstellen oder entfernen.

Ein Museum mit wertvollen Ausstellungsstücken nutzt RC3-Glastrennwände, um hochwertige Exponate in modernen, transparenten Bereichen zu präsentieren. Das schafft eine elegante Inszenierung, während die RC3-Zertifizierung Diebstahl wirksam verhindert.

Fazit

Verstärkte Glastrennwände mit RC2- oder RC3-Zertifizierung sind eine intelligente, moderne Lösung für den Innenbereich. Sie vereinen visuelle Leichtigkeit mit echtem Einbruchschutz, ermöglichen flexible Raumgestaltung, schaffen eine zuverlässige Barriere gegen Eindringlinge und lassen sich optimal mit Schallschutz kombinieren. Für Investoren und Gewerbebetreibende sind sie langfristig oft wirtschaftlicher als alternative Lösungen, weil sie flexibel bleiben und die Raumnutzung optimieren.

Wer im Innenbereich eine Glastrennwand plant, sollte sich frühzeitig Gedanken über die notwendige Widerstandsklasse machen, einen spezialisierten Fachbetrieb beauftragen und alle arbeitsrechtlichen Anforderungen im Blick behalten. Maßgeblich sind dabei die DIN EN 1627 für die Widerstandsklassen, die DIN EN 356 für die Durchbruchhemmung des Glases, die DIN 18008 für die Glasbemessung und die ASR A1.6 für den Arbeitsschutz. Mit der richtigen Planung und Umsetzung entsteht eine Arbeitsumgebung, die modern, sicher und funktional ist – ohne Kompromisse in einer der drei Dimensionen Transparenz, Sicherheit und Schallschutz.

Häufige Fragen

RC2 ist der von der Polizei für die meisten Gewerbeobjekte empfohlene Standard und widersteht einem Gelegenheitstäter mit einfachem Werkzeug etwa drei Minuten. RC3 setzt einen geübteren Täter mit besserem Werkzeug voraus und hält rund fünf Minuten stand. Für normale Lager- und Bürobereiche reicht RC2 in der Regel aus. RC3 ist sinnvoll bei hohem Warenwert, exponierten Standorten oder wenn die Versicherung es verlangt.
Das ist in der Regel nicht sinnvoll. Befestigung, Rahmen und Statik müssen von vornherein auf das deutlich schwerere Verbundsicherheitsglas ausgelegt sein. Ein 2 Meter hohes VSG-Paket kann 500 bis 700 Kilogramm wiegen. Eine Nachrüstung ist konstruktiv komplex und oft teurer als ein komplettes neues System.
Ja. Die Schutzwirkung entsteht aus dem VSG-Aufbau selbst, also aus der Anzahl der Scheiben und der Dicke der PVB-Folie. Die satinierte oder geätzte Oberfläche ist nur eine optische Bearbeitung und ändert nichts an der Widerstandsklasse. VSG ist klar, satiniert oder mit Mustern mit identischer Sicherheit erhältlich.
Die Widerstandsklassen RC1 bis RC6 werden in der DIN EN 1627 definiert, die zugehörigen Prüfverfahren in den DIN EN 1628 bis 1630. Die Durchbruchhemmung der Glaskomponente regelt die DIN EN 356 (Klassen P4A bis P6B). Für die Bemessung von Glas im Bauwesen gilt die DIN 18008, im Arbeitsschutz die Arbeitsstättenrichtlinie ASR A1.6.
Nein. Standard-VSG-Trennwände mit RC-Klassifizierung sind nicht brandschutzgeprüft. Brandschutz erfordert separate Systeme mit eigener Zulassung, die je nach Bauart 30 bis 120 Minuten Feuerwiderstand bieten. Diese sollten nur eingesetzt werden, wenn gesetzliche Brandschutzanforderungen sie vorschreiben.
Sehr lange. Die PVB-Folie ist äußerst beständig gegen UV-Strahlung und Alterung. Ein fachgerecht installiertes System kann über 50 Jahre halten, ohne dass die Sicherheitseigenschaften merklich nachlassen. Ein Austausch ist in der Regel nur nach mechanischer Beschädigung erforderlich.
XF
XFRAME Anwendungstechnik Hersteller von Glastrennwand-Profilsystemen, Rain am Lech

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