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Einbruchschutz durch verstärkte Glastrennwände im Innenbereich:Transparenz und Sicherheit ohne Kompromisse

  • Autorenbild: X-Frame Glasprofile GmbH
    X-Frame Glasprofile GmbH
  • 13. Feb.
  • 12 Min. Lesezeit
Einbruchschutz durch verstärkte Glastrennwände


Moderne Büros leben von Transparenz. Große Glasflächen, offene Raumkonzepte,

maximale Lichtzufuhr – das ist der Standard geworden. Gleichzeitig sollen

bestimmte Bereiche geschützt sein: Lagerflächen mit Wertsachen, sensible

Geschäftsbereiche, Verwaltungsräume mit vertraulichen Unterlagen. Dieser

Widerspruch lässt sich lösen. Mit verstärkten Glastrennwänden, die nach DIN EN

1627-1630 zertifiziert sind, entsteht eine elegante Kombination aus visueller

Offenheit und zuverlässigem Einbruchschutz. Sie ermöglichen es, den modernen

Arbeitsstil zu bewahren, ohne auf Sicherheit zu verzichte


Der Innenbereich unterscheidet sich dabei fundamental von Fassadenlösungen.

Während Außenglas ständigen Witterungseinflüssen trotzen muss, können

Innenbereich-Systeme sich vollständig auf die Aufgaben konzentrieren, die

tatsächlich relevant sind: Sicherheit, Schallschutz und Transparenz. Das macht sie

nicht nur effektiver, sondern auch wirtschaftlicher.


Warum Sicherheit im Innenbereich unterschätzt wird

Es ist ein verbreiteter Irrtum, dass echte Sicherheitsrisiken nur von außen kommen.

In der Realität entstehen etwa 40 Prozent aller Unternehmensdiebstähle nicht

durch gezielte Au.eneinbrüche, sondern durch interne Lücken: ein Mitarbeiter, der

einen Lagerbereich betritt, ohne dass jemand kontrolliert, wer dort Zugang hat;

eine offen stehende Glastrennwand zu einem Büro mit teurer Elektronik; ein

Wertsachen-Lager, das zwar gesichert ist, aber nur durch eine dünne, leicht

zerbrechliche Glastrennwand von der öffentlichen Zone getrennt wird.


Das klassische Szenario in modernen Gro.raumbüros zeigt das Problem deutlich:

Tagsüber wirkt die Transparenz der Glastrennwände beruhigend und

teamfördernd. Nachts jedoch, wenn nur wenige Mitarbeiter im Gebäude sind, wird

genau diese Transparenz zur Sicherheitslücke. Ein Unbefugter kann die Trennwand

problemlos durchbrechen und gelangt in den nächsten, ungesicherten Bereich.

Herkömmliche Glastrennwände aus ESG – dem bruchfesten Glas, das in vielen

Büros Standard ist – bieten da keinerlei Schutz. Zwar zerfallen diese Scheiben bei

Bruch in kleine, stumpfe Bruchstückchen, was Verletzungen verhindert. Aber die

Öffnung bleibt offen, die Barriere ist durchbrochen.


Hier setzt die Lösung an: VSG-Trennwandsysteme mit RC2- oder RC3-

Zertifizierung schaffen einen zuverlässigen Schutz, ohne die optische Leichtigkeit

zu opfern.


Die Technologie: Wie Verbundsicherheitsglas funktioniert

Der entscheidende Unterschied zwischen normalem und sicherem Innenbereich-

Glas liegt nicht in der Dicke oder Materialgüte des Glases selbst, sondern in der

zusätzlichen Schicht dazwischen. Während ESG-Glas (Einscheibensicherheitsglas)

thermisch vorgespannt ist und dadurch sehr schlagfest wird, schafft es keine

Barriere gegen entschlossene Angriffe. Das Glas bricht, die Splitter fallen, die

Öffnung ist frei.


VSG – Verbundsicherheitsglas – funktioniert nach einem völlig anderen Prinzip.

Mindestens zwei Glasscheiben werden durch hochelastische Kunststofffolien fest

miteinander verbunden. Diese Folien, meist aus PVB (Polyvinylbutyral) gefertigt,

sind das Herzstück der Sicherheit. Sie sind nicht starr wie das Glas, sondern

flexibel und zäh. Wenn die äußere Glasscheibe unter Schlag bricht, halten die

Folien die Splitter zusammen. Der Täter sieht das typische Spinnennetz-Bruchbild,

aber die Scheibe bleibt als Ganzes an ihrer Position. Jeder weitere Schlag erfordert

erhebliche zusätzliche Kraft, denn jetzt muss nicht nur das innere Glas

durchschlagen werden, sondern auch weitere Lagen von Folie.


Die Dicke dieser PVB-Folie ist entscheidend für die Sicherheitseinstufung. Eine

0,76 Millimeter dicke Folie erlaubt dem Täter, mit einfachen Werkzeugen relativ

schnell durchzukommen. Eine 1,52 Millimeter dicke Folie vervielfacht die nötige

Anstrengung. Bei 2,28 Millimeter Foliendicke müssen Täter bereits mit deutlich

professionellerem Werkzeug arbeiten und benötigen wesentlich mehr Zeit.


In der Praxis bedeutet das: Bei einer RC2-zertifizierten Glastrennwand – die

typischerweise VSG mit 0,76 bis 1,52 Millimeter PVB-Folie ist – hat ein

Gelegenheitstäter mit einfachen Werkzeugen etwa drei Minuten lang Zeit, bis er

durchkommt. Drei Minuten sind lang genug, um einen Alarm auszulösen, die

Polizei zu rufen oder Sicherheitspersonal zu alarmieren. Für RC3-Systeme mit

dickerer Folie (1,52 bis 2,28 Millimeter) sind es fünf Minuten – ein enormer

Unterschied für die Abschreckung und Sicherheit.


Widerstandsklassen verstehen: RC2 und RC3 im Detail

Die DIN EN 1627 bis 1630 ist die deutsche und europäische Norm für

Einbruchschutz-Bauteile. Sie legt fest, wie lange Fenster, Türen und Trennwände

verschiedenen Angriffsszenarien standhalten müssen. Für den Innenbereich sind

zwei Klassen besonders relevant: RC2 und RC3.


RC2 ist das, was die Polizei als Minimumstandard für gewerbliche Räume

empfiehlt. Das Szenario ist ein Gelegenheitstäter – jemand, der keine großen

Fachkenntnisse hat, sondern nur mit Schraubenzieher, Zange und vielleicht einem

Hammer bewaffnet ist. Diese Person hat etwa drei Minuten lang Zeit, um in ein

Bauteil einzudringen. Kommt jemand vorbei oder wird ein Alarm ausgelöst, wird

die Sache zu riskant für den Täter. RC2 erfordert typischerweise VSG mit einer

PVB-Folie von etwa 0,76 bis 1,52 Millimeter Dicke. Das entspricht den

Sicherheitsklassen P4A oder teilweise P5A nach DIN EN 356, also jenem Standard

für die Glaskomponente selbst.


RC3 ist eine Stufe höher. Hier geht die Norm davon aus, dass der Täter geübter ist,

bessere Werkzeuge hat – Hebel, mehrere Schraubenzieher, möglicherweise einen

leichten Bohrer. Diese Person schafft es, etwa fünf Minuten lang konzentriert

gegen ein Bauteil zu arbeiten. RC3 setzt Glassysteme mit dickeren Folien (1,52 bis

2,28 Millimeter PVB) voraus. Fünf Minuten mögen nicht viel klingen, aber für die

Sicherheit machen sie einen großen Unterschied aus. Ein entschlossener

Einbrecher wird bei einer RC3-Trennwand wahrscheinlich deutlich früher aufgeben,

da die Sache zu laut, zu zeitaufwändig und zu riskant wird.


Für Innenbereich-Anwendungen ist RC2 der Standard. Wer einen Lagerbereich mit

teurer Elektronik schützen will, ein Büro mit sensiblen Unterlagen oder eine kleine

Apotheke mit hochwertigen Medikamenten, der liegt mit RC2 absolut richtig. Es ist

ausreichend, es ist wirtschaftlich sinnvoll, und es bietet den nötigen Schutz. RC3

macht Sinn, wenn das Objekt besonders exponiert ist – zum Beispiel ein

Juweliergeschäft in einem frequentierten Innenstadtbereich, oder ein Lagerbereich

mit sehr hohem Warenwert. Manche Versicherungen fordern auch RC3, wenn der

Standort in einer Kriminalitäts-Hotspot-Region liegt oder das Unternehmen bereits

mehrfach Opfer von Einbrüchen war.


Ein häufiger Irrtum ist, dass die Glasklasse nach DIN EN 356 (P4A, P5A, P6B)

ausreicht als Sicherheitsaussage. Das ist nicht korrekt. P4A bedeutet, dass das

Glas allein etwa 15 bis 20 Sekunden lang einem Hammer-Angriff widersteht. Aber

echte Sicherheit entsteht erst, wenn Glas, Rahmen, Befestigung und Griff als

System zertifiziert sind. Deshalb ist die RC-Klassifizierung die verlässliche Größe,

nicht die Glasklasse allein.


Der Aufbau einer sicheren Innenbereich-Glastrennwand

Eine RC2- oder RC3-zertifizierte Glastrennwand ist kein einfaches Einzelelement.

Sie ist ein durchdachtes System aus mehreren Komponenten, die ineinander

greifen und zusammenwirken müssen, um die versprochene Sicherheit zu liefern.


Das Herzstück ist natürlich das Glaselement selbst. Für RC2 besteht ein typisches

Paket aus 6 Millimeter Floatglas, einer PVB-Folie von 0,76 oder 1,52 Millimeter

Dicke, und wieder 6 Millimeter Floatglas. Diese Schichtung ist nicht zufällig: Das

äußere Glas bricht leichter und absorbiert den Hauptangriff. Die Folie darunter hält

die Bruchstücke zusammen und verhindert das Durchbrechen. Das innere Glas

bietet zusätzliche Stabilität. Für RC3-Systeme ist das Paket dicker – oft 8

Millimeter ESG (vorgespanntes Glas für höhere Bruchfestigkeit), 1,52 bis 2,28

Millimeter PVB, und wieder 8 Millimeter ESG.


Der Aluminiumrahmen oder die Klemmprofile sind die zweite kritische

Komponente. Der Rahmen muss mechanisch robust sein und darf nicht

nachgeben unter Druck. Billige Systeme sparen hier und verwenden dünne Profile

– das ist ein großer Fehler. Ein stabiler Rahmen besteht aus verstärkten Profilen,

meist 20 bis 30 Millimeter breit, und wird an mehreren Punkten in der Bausubstanz

verankert. Je größer die Glasfläche, desto wichtiger ist ein stabiler Rahmen. Bei

großflächigen Trennwänden – etwa 2 Meter oder höher – ist die Rahmenqualität oft

genauso wichtig für die Gesamtsicherheit wie das Glas selbst.


Die Befestigung der Trennwand in Boden, Wand und Decke ist die dritte

Komponente. Eine Glastrennwand kann das beste VSG haben und den besten

Rahmen – wenn die Verankerung nicht stimmt, kann ein Täter einfach den ganzen

Rahmen aushebeln. Für Bodenverankerung werden typischerweise U-Profile oder

Dübelsysteme verwendet, die mit mehreren Ankerpunkten in Estrich oder Beton

verankert sind. Wandverankerungen müssen in tragfähige Strukturen gehen – also

Beton oder Stahlträger, nicht in Trockenwand. Deckenabhängungen erfordern

sichere Aufhängungssysteme, die das erhebliche Gewicht von VSG tragen können.


Falls eine Tür integriert ist – etwa eine Schiebetür, Drehtür oder Pendeltür – muss

diese ebenfalls sicher sein. Der Griff muss abschließbar sein, der Schließzylinder

bohr- und schie.geschützt. Bei RC3-Systemen wird oft eine Multi-Point-

Verriegelung eingebaut, bei der mehrere Punkte am Türrahmen gleichzeitig

verriegeln. Das macht es deutlich schwerer, die Tür aufzubrechen.


Oft übersehen wird die Fugendichtung. Auch kleine Spalten zwischen Glas,

Rahmen und Bauwerk können Angriffspunkte sein. Eine vollständige Abdichtung

mit elastischen Dichtungsprofilen – Gummi oder Silikon – ist daher essentiell. Diese

Dichtung erfüllt auch eine zweite Funktion: Sie verbessert den Schallschutz

erheblich, wenn Akustik ein Thema ist.


Schallschutz als Zusatznutzen

Ein großer Vorteil moderner Innenbereich-Glastrennwand-Systeme ist, dass sie

nicht nur Einbruchschutz bieten, sondern zugleich Schallschutz. Ein dickeres VSGPaket

– wie es für RC3 notwendig ist – reduziert automatisch auch die

Schallübertragung zwischen den Räumen. Das ist kein Marketing-Trick, sondern

pure Physik: Dickere Materialien absorbieren und blocken Schallwellen besser.


Der Schallschutzwert wird in dB (Dezibel) angegeben, spezifisch als bewertete

Schallreduktion Rw. Eine Standard-Glastrennwand mit 10 bis 12 Millimeter ESG

bietet etwa 33 bis 38 dB Schallschutz. Das bedeutet, dass alltäglicher Bürol.rm

deutlich reduziert wird, aber intensive Gespräche sind noch zu verstehen. Steigt

man auf 16 Millimeter VSG auf, erreicht man 42 bis 44 dB – das ist deutlich besser.

Normale Gesprächslautstärke wird dumpf und schwer verständlich. Für

hochsensible Bereiche – Besprechungsräume mit vertraulichen Gesprächen,

Kundenbereiche mit sensiblen Daten – werden manchmal sogar

Doppelverglasung-Systeme mit zwei separaten VSG-Paketen und einem Luftspalt

dazwischen eingebaut. Diese erreichen 48 bis 51 dB und gelten als sehr guter

Schallschutz.


Das Praktische: Wer aus Sicherheitsgründen ohnehin zu RC3 mit dickerem VSG

greifen muss, bekommt auch automatisch besseren Schallschutz. Das ist eine

Win-Win-Situation. Moderne Empfehlungen für Büros, in denen konzentrierte

Arbeit stattfindet, liegen bei mindestens 45 dB. Mit den richtigen VSG-Systemen

ist das problemlos erreichbar.


Planung und Umsetzung: Was Architekten und Investoren beachten sollten

Die Planung einer Glastrennwand mit Einbruchschutz beginnt nicht beim

Glashersteller, sondern lange davor. Es ist essentiell, sich früh Gedanken zu

machen, welche Bereiche geschützt werden müssen und welche RC-Klasse Sinn

macht.


Die erste Frage ist eine Bedarfsanalyse: Welche Räume oder Bereiche sind

besonders exponiert? Ein Lagerbereich mit Elektronik im Erdgeschoss ist anders

zu bewerten als ein Büro im dritten Stock. Welche Wertsachen werden dort

tatsächlich gelagert? Ein Papierlager ist ein anderes Sicherheitsrisiko als ein

Elektronik-Lager. Gibt es Versicherungs-Anforderungen? Manche Versicherungen

bestehen auf bestimmten Sicherheitsstandards, manchmal mit konkreten RC-Klassifizierungen. Ist der Standort in einer bekannten Kriminalitäts-Hotspot-

Region, oder gab es in der Vergangenheit bereits Einbruchsversuche?


Aus diesen Überlegungen ergibt sich dann die RC-Entscheidung: RC2 oder RC3.

In vielen Fällen reicht RC2 völlig aus. Es ist günstiger, leichter zu installieren und

bietet dennoch robusten Schutz. RC3 ist die bessere Wahl, wenn die Risiken höher

sind oder die Wertsachen sehr groß sind.


Die zweite Phase ist die Bestandaufnahme. Ist der Boden tragfähig genug?

Bestehen Boden, Wände und Decke aus Materialien, die Verankerungen tragen

können? VSG ist deutlich schwerer als normales Glas – ein 2 Meter hohes Paket

kann leicht 500 bis 700 Kilogramm wiegen. Alte Böden oder schwache Decken

können damit Probleme bekommen. Manche älteren Gebäude müssen für größere

Flächen verstärkt werden, bevor die Trennwand montiert werden kann. Hier ist die

Expertise eines Statikers wichtig, insbesondere bei großflächigen Systemen.


Die dritte Phase ist die Systemwahl. Es gibt grundsätzlich zwei Ansätze:

Flächenglassysteme und Rahmensysteme. Flächenglassysteme arbeiten mit

großen, zusammenhängenden Glaspaketen und nutzen nur dünne, fast

unsichtbare Klebungen oder minimalistische Metallprofile. Das erzeugt einen sehr

modernen, eleganten Eindruck mit maximaler Transparenz. Rahmensysteme

dagegen arbeiten mit deutlicheren Aluminium-Profilen, die sichtbar sind und die

Glaselemente strukturieren. Das ist weniger minimalistisch, bietet aber oft bessere

Montage-Flexibilität und ist einfacher zu reparieren oder später umzubauen.


Die vierte Phase ist das Zubehör-Planing. Braucht die Trennwand eine Tür.ffnung?

Falls ja: Soll es eine Schiebetür, eine Drehtür oder eine Pendeltür sein?

Schiebetüren sind platzsparend und wirken modern. Drehtüren sind klassisch und

robust. Pendeltüren passen gut in Bereiche mit hohem Personalverkehr. Dann stellt

sich die Frage nach Sichtschutz: Soll die Trennwand komplett transparent sein,

oder wäre eine satinierte oder geätzte Oberfläche besser? Eine matte Oberfläche

bietet Blickschutz, ohne die Transparenz völlig zu opfern. Manche Systeme

ermöglichen auch LED-Beleuchtung, die in die Glasrahmen integriert ist – das sieht

modern aus und verbessert die Ausleuchtung.


Die fünfte Phase ist schließlich die Montage. Dies sollte ein Fachbetrieb

übernehmen, der spezialisiert auf VSG und RC-Systeme ist. Ein normaler Glaser,

der hauptsächlich Fenster einbaut, hat möglicherweise nicht die richtige Erfahrung.

Der Fachbetrieb sollte Werksabnahme-Zertifikate und Prüfzeugnisse mit RCKlassifizierung

vorlegen können. Die Montage muss dokumentiert werden, und am

Ende sollte eine Montagebescheinigung vorliegen, die bescheinigt, dass das

System korrekt installiert wurde.


Arbeitsschutz und rechtliche Anforderungen im Innenbereich

Im Innenbereich gibt es eine weitere Regelschicht, die nicht unterschätzt werden

sollte: die Arbeitsstättenrichtlinie und speziell die ASR A1.6, die sich mit Fenstern,

Oberlichtern und lichtdurchlässigen Wänden befasst.


Die ASR A1.6 ist im Grunde eine Konkretisierung, wie Arbeitsräume gestaltet sein

dürfen. Für Glastrennwände bedeutet das mehrere Dinge. Erstens: Große,

transparente Glasflächen müssen in Augenhöhe deutlich kenntlich gemacht sein.

Das heißt, es müssen Aufkleber oder Markierungen angebracht sein, die

Mitarbeiter davor warnen, unbemerkt in die Glaswand zu laufen. Das mag trivial

klingen, ist aber arbeitsrechtlich zwingend erforderlich.


Zweitens gibt es Anforderungen für Bruchsicherheit. Überall dort, wo es

Absturzgefahr gibt – beispielsweise neben Treppen, neben Absätzen, oder in der

Nähe von Hochregalen in Lagerbereichen – muss bruchsicheres Glas verwendet

werden. Das heißt nicht unbedingt VSG mit Einbruchschutz, es kann auch einfach

bruchsicheres Glas sein. Aber in einem Lagerbereich, wo sowieso VSG mit

Einbruchschutz nötig ist, wird diese Anforderung ohnehin erfüllt.

Drittens müssen lichtdurchlässige Wände in Bereichen mit Materialverkehr oder

Menschengedränge entweder aus bruchsicherem Glas bestehen oder durch

Geländer geschützt sein. Das ist eine Sicherheitsmaßnahme gegen Verletzungen

durch Glassplitter.


Für den Anwender bedeutet das: Wer im Innenbereich eine Glastrennwand plant,

sollte nicht nur an Einbruchschutz denken, sondern auch diese arbeitsrechtlichen

Anforderungen im Blick haben. Oft werden diese ohnehin durch das VSG-System

erfüllt, aber es ist wichtig, das zu überprüfen und zu dokumentieren.


Kostenanalyse: Was ein Innenbereich-Glastrennwand-System kostet

Innenbereich-Systeme sind in der Regel günstiger als Außen-Lösungen. Es gibt

keinen Witterungsschutz nötig, die Installation ist einfacher, und die Anforderungen

an Rahmen und Dichtungen sind weniger streng. Dennoch ist es ein nicht

unerheblicher Kostenfaktor.


Das Material selbst ist der größte Kostenblock. Normales ESG-Glas kostet etwa

100 bis 150 Euro pro Quadratmeter. VSG mit P4A-Klassifizierung (für RC2

geeignet, etwa 10 Millimeter stark) liegt bei 250 bis 350 Euro pro Quadratmeter.

VSG mit P5A (für RC3 geeignet, etwa 12 Millimeter stark) kostet 350 bis 500 Euro

pro Quadratmeter. Diese Preise variieren je nach Region, Hersteller und Menge.


Hinzu kommen die Aluminiumrahmen und Profile: etwa 80 bis 150 Euro pro

Quadratmeter. Die Installation und Montage macht sich bei etwa 150 bis 300 Euro

pro Quadratmeter bemerkbar. Eine integrierte Schiebetür kostet zusätzlich etwa

600 bis 1.200 Euro, je nach Qualität und Sperrmechanismus. Wer Schallschutz-

Zusätze möchte – dickere VSG-Pakete oder spezielle akustische Folien – muss mit

50 bis 100 Euro pro Quadratmeter rechnen. Satinfolien oder andere Sichtschutz-

Optionen kosten 30 bis 80 Euro pro Quadratmeter.


Ein konkretes Beispiel: Eine 15 Quadratmeter große Glastrennwand mit RC2-

Sicherheit und einer integrierten Schiebetür kostet in der Regel zwischen 10.000

und 13.000 Euro brutto. Das Material (VSG P4A) schlägt mit etwa 4.500 Euro zu

Buche, die Rahmen und Profile mit 1.800 Euro, die Montage mit 3.000 Euro, und

die Schiebetür mit etwa 800 Euro. Für eine höherwertige RC3-Lösung mit

besserem Schallschutz und stabileren Komponenten müsste man mit 13.000 bis

16.000 Euro rechnen.


Relative zur Fläche und im Vergleich zu anderen Sicherheitslösungen ist das

wirtschaftlich sehr sinnvoll. Eine massiv gemauerte Wand würde zwar weniger

Material kosten, aber viel mehr Arbeit bedeuten, würde den Raum verdunkeln und

würde später nicht flexibel veränderbar sein. Eine Glastrennwand mit

Einbruchschutz ist langfristig oft die bessere Investition.


Praktische Anwendungsfälle im Innenbereich

Die Vielfalt der Anwendungen zeigt, wie flexibel und relevant diese Systeme sind.

Ein Elektronik-Distributeur beispielsweise lagert teure Komponenten, von denen

viele mehrere tausend Euro kosten. Nachts ist nur ein Sicherheitsbeamter im

Gebäude. Mit einer RC3-Glastrennwand zwischen öffentlichem Lagerbereich und

Hochwertig-Lager schafft das Unternehmen eine klare Barriere. Der

Sicherheitsbeamter kann sehen, was in dem geschützten Bereich vor sich geht,

aber ein Eindringling müsste mindestens fünf Minuten lang intensive Angriffe

durchführen, um durchzukommen – und das mit großem Lärm und hohem Risiko,

erwischt zu werden.


Eine Apotheke hat ein ähnliches Problem. Die Apothekerin benötigt unbedingt

Transparenz zu ihren Kundinnen und Kunden – Gesundheit und Vertrauen

verlangen danach. Gleichzeitig muss der Medikamentenlager, besonders die

hochpreisigen oder suchtgiftrelevanten Substanzen, gesichert sein. Eine RC3-

Glastrennwand mit satinierter Folie – die Blickschutz bietet, ohne völlig

undurchsichtig zu sein – ist hier die perfekte Lösung. Zusätzlich mit elektronischer

Verriegelung und Zugangsschloss wird der Bereich sicher, während die Apotheke

tagsüber den transparenten Eindruck bewahrt.


Ein Büro eines IT-Unternehmens hat ein anderes Szenario: Mehrere Projektteams

arbeiten an vertraulichen Aufträgen. Die Teams sollen voneinander flexibel getrennt

sein, aber es soll nicht nach "Bunker" aussehen. Modulare Rahmensysteme mit

RC2-VSG und 45 Dezibel Schallschutz ermöglichen schnelle Umbauten ohne

aufwändige Bauarbeiten. Wenn ein Projekt endet und das Raumkonzept neu

strukturiert werden soll, lassen sich die Module relativ einfach umstellen oder

entfernen.


Ein Museum mit wertvollen Ausstellungsstücken nutzt RC3-Glastrennwände, um

hochwertige Exponate in modernen, transparenten Vitrinen-ähnlichen Bereichen zu

präsentieren. Das schafft eine elegante Präsentation, während die RC3-

Zertifizierung Diebstahl effektiv verhindert.


FAQ: Die häufigsten Fragen

Was ist der Unterschied zwischen RC2 und RC3, und wann brauche ich

welche?

RC2 ist der Standard und wird von der Polizei für die meisten Gewerbeobjekte

empfohlen. Wenn in einem Lagerbereich normale, im Tausender-Euro-Bereich

liegende Waren gelagert werden, reicht RC2. RC3 ist sinnvoll, wenn der Warenwert

deutlich höher ist, der Standort besonders exponiert liegt oder die Versicherung es

verlangt. Für viele Büros ist RC2 völlig ausreichend.


Kann ich eine alte, normale Glastrennwand nachträglich mit VSG-Glas und

Sicherheit ausrüsten?

Nein, das ist nicht sinnvoll. Die Befestigung, der Rahmen und die statische

Berechnung müssen von vornherein für das deutlich schwerere VSG-Glas

ausgelegt sein. Eine Nachrüstung ist konstruktiv komplex und oft teurer als ein

komplettes neues System.


Ist satiniertes (mattiertes) VSG genauso sicher wie klares VSG?

Ja, absolut. Die Sicherheit kommt vom VSG-System selbst, also von der

Schichtzahl und Foliendicke. Die satinierte Oberfläche ist nur eine optische

Bearbeitung und ändert nichts an der Schutzfunktion. Man kann VSG in jeder

optischen Ausführung – klar, satiniert, mit Mustern – mit der gleichen Sicherheit

bekommen.


Wie viel Schallschutz brauche ich wirklich?

Das hängt vom Kontext ab. Für normale Büroarbeit in einem nicht besonders

lauten Umfeld sind 38 bis 40 Dezibel ausreichend. Für konzentrierte Arbeit oder

vertrauliche Gespräche sollten es mindestens 45 Dezibel sein. Eine schnelle

Faustregel: Normale Gesprächslautstärke sollte dumpf und schwer verständlich

sein. Wenn man noch jedes Wort verstehen kann, ist der Schallschutz nicht

ausreichend.


Sind Glastrennwände brandschutzzertifiziert?

Standard-VSG-Trennwände sind nicht brandschutzzertifiziert. Es gibt aber

spezielle Brandschutzglassysteme, die zwischen 30 und 120 Minuten

Feuerwiderstand bieten. Diese kosten deutlich mehr und sollten nur eingebaut

werden, wenn gesetzliche Brandschutz-Anforderungen das verlangen.


Wie lange hält so ein VSG-System?

Sehr lange. Die PVB-Folie ist extrem resistent gegen UV-Strahlung und Alterung.

Ein gut installiertes System kann über 50 Jahre halten, ohne dass die

Sicherheitseigenschaften merklich nachlassen. Ersatz ist in der Regel nur

notwendig bei mechanischen Schäden.


Verstärkte Glastrennwände mit RC2- oder RC3-Zertifizierung sind eine intelligente,

moderne Lösung für den Innenbereich. Sie vereinen visuell-ästhetische Leichtigkeit

mit echtem Sicherheitsschutz. Sie ermöglichen flexible Raumgestaltung, schaffen

zugleich eine Barriere gegen Eindringlinge und können optimal mit Schallschutz

kombiniert werden. Für Investoren und Gewerbebetreibende sind sie oft langfristig

wirtschaftlicher als alternative Lösungen, weil sie flexibel bleiben und die

Raumnutzung optimieren.


Wer im Innenbereich eine Glastrennwand plant, sollte sich früh Gedanken über die

notwendige Sicherheitsklasse machen, einen spezialisierten Fachbetrieb

beauftragen und alle arbeitsrechtlichen Anforderungen im Blick behalten. Mit der

richtigen Planung und Umsetzung entsteht eine Arbeitsumgebung, die modern,

sicher und funktional ist – ohne Kompromisse in einer der drei Dimensionen

einzugehen.

 
 
 

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